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Fortschritte am Kino der Jugend

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Das Dach des alten „Kino der Jugend“ ist schon seit Weihnachten gedeckt. Dank an alle Beteiligten! Nun sind auch die weiteren Dacharbeiten abgeschlossen und der Innenraum wird beräumt. Gerade wirkt das alte Kino der Jugend sehr ruhig… Und wir arbeiten auch schon fleißig an Konzepten und Finanzierungsanträgen für die geplante Betreibung als neues Kulturzentrum im Leipziger Osten.

 

Im ganzen letzten Jahr haben wir Initiatoren viel geschafft:
Das Haus ist vor dem Verfall gerettet und es gibt einen Stadtratsbeschluß, der vorsieht, daß das Objekt nicht meistbietend verkauft wird, sondern im Konzeptvergabeverfahren ab 2018 ausschließlich für kulturelle Nutzung ausgeschrieben wird. Wir haben viel Lobby-arbeit geleistet, auf Stadtteilfesten, zu den Tagen der Industriekultur, zum Tag des offenen Denkmals und im Kontakt mit Politekern und Stadtverwaltung.

 

So sah es z.B. in unserer Ausstellung zur Geschichte des Kinos in der alten Bäckerei schräg gegenüber dem Kino aus:
Zum traditionellen Neustädter Frühstück befragten wir Anwohner zu Ihrem Interesse am Wiederaufbau des Kinos und so sah unser Stand  aus:

 

 

Stand beim Parkbogenfest:

Die neue Kulturbürgermeisterin Skadi Jaenicke hat sich für unsere Arbeit und unsere Pläne auch schon interessiert:
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Fortuna ist für das Kino der Jugend!

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Kino der Jugens Heute

Kino der Jugend heute

Es ist schon sehr erstaunlich, was in einigen Monaten passieren kann, nachdem einige Jahrzehnte gar nichts passiert ist! So ergeht es gerade dem alten Fortuna-Lichtspielhaus/ Kino der Jugend in der Eisenbahnstrasse im Leipziger Osten. Ende 2012 schrieb ich hier einen Artikel über mein altes Kino, in dem ich über meine Zeit als letzte Theaterleiterin und die aufregenden Konzerte nachdachte. Ich war traurig über den Zustand des einst stolzen Hauses, sah die zugemauerten Fenster und Türen, das offensichtlich verfallene Dach und die einsame Fortuna-Figur an der bröckelnden Art-Déco Front. Lange ist hier nichts mehr geschehen.

Daraufhin erhielt ich Anfragen von vielen interessierten Leuten und es entspann sich eine ganz neue und dynamische Geschichte:

Zuerst lernte ich Diana Wesser kennen und wurde Teil ihres Audio-.Walks durch den Leipziger Osten „Sehnsucht Eisenbahnstrasse“

Später kamen die Studentinnen Eva und Vera dazu. Für ihre Erweckung des alten Kinos „Wintergarten“, ebenfalls in der Eisenbahnstrasse im Rahmen des Kunstfestes konnte ich auch einige Fotos und Storys beistreuern.

Dann kam eine sehr erfreuliche Mail von einem meiner damaligen Filmclub-Jungs. Michael Creutzer ist heute Chef von Teil-Auto Leipzig und nahm sich Zeit für einige schöne Erinnerungen. Mir war gar nicht klar, wie wichtig für die Jungs damals das Kino und der Filmclub war und wie bedeutsam es für sie war, bei Veranstaltungen und Konzerten wichtige Funktionen auszufüllen. So fuhren sie mit dem Motorrad Filmrollen aus den Innenstadtkinos, um aktuelle Filme zeigen zu können, machten Einlassdienst, klebten Plakate, erledigten kleine Reparaturen und viele sonst anfallende Arbeiten. Sie hatten einen Treffpunkt und für das Kino waren sie wichtiger Kontakt in das Wohngebiet. Das tollste Erlebnis war wohl der Kuchen, den Tamara Danz von Silly ihnen geschenkt hat! Ich hab leider keine Erinnerung daran, aber freue mich natürlich, das nach so vielen Jahren zu hören! Demnächst soll es ein Treffen im erweiterten Kreis geben und ich freue mich wie Bolle und bin gepannt, was aus allen geworden ist.

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Danach fragte mich die Dokumentarfilmerin Kathrin Lemcke für ein Ausstellungsprojekt im Pöge-Haus nach meinen Erinnerungen an diese Zeit rund um die politische Wende. Das Video, einige alte Fotos und das Gästebuch des Kinos  wird Bestandteil der Ausstellung“ Alle unsere Träume-Friedliche Revolution und Transformation im Leipziger Osten“., die am 14. Oktober um 18,00 Uhr im Pöge-Haus a, Neustädetr Markt mit einer szenischen Lesung eröffnet wird.

Nun entwickelt sich der Leipziger Osten, der traditionell ein Arbeiterbezirk und in den letzten Jahren oft wegen Kriminalität und hohem Ausländeranteil in den Negativ-Bereich gerückt wurde, zu einem sehr spannenden und pulsierenden Stadtteil. Hier entstehen in Lücken und Brachen, leeren Objekten geheime und öffentliche Orte für Kunst und Kultur.  Viele junge Leute und Studenten ziehen in die Gegend und empfinden die Internationalität und Buntheit gerade als Vorteil neben den noch recht moderaten Mieten. Es ist in den nächsten Jahren mit weiterem Zuzug zu rechnen. Und da kommt wieder das Kino in den Blickpunkt! Es gibt keinen großen Kultur- und Veranstaltungsraum, kein Kino, keinen Saal, der multikulturell im besten Sinne genutzt werden kann. Und es gibt Gerüchte vom Abriss des Kinos.  Da versammeln sich wieder viele Interessenten, die das Haus erhalten, retten und zu einem wieder florierenden Kulturort machen wollen. Toll!

Von der Projektgruppe wurde ich gefragt, ob ich für ein Interview kommen könnte. Klar konnte ich! Hier der Beitrag von Leipzig Fernsehen vom 11.09.2015:

Zum Tag des offenen Denkmals  am13. September fand direkt vor dem Kino eine Aktion statt.

IMAG0337 IMAG0360 IMAG0362 IMAG0354Viele ältere Bewohner sprachen von ihren IMAG0345schönsten IMAG0342IMAG0349Jugenderinnerungen und erklärten ihr Interesse an der Erhaltung und Wiederbelebung. Unterschriften dafür wurden gesammelt.

Da sah ich zum ersten Mal aktuellere Fotos aus dem Inneren des Gebäudes und war schon schockiert über den Verfall!

Und trotzdem! Auch das Connewitzer Kino stanIMAG0346d mal auf der Abbruchliste und ist heute ein pulsierendes und beeindruckendes Kulturzentrum. Warum sollte das hier nicht gelingen?

Nun gründete sich im Pöge-Haus eine offizielle IG Fortuna/Kino der Jugend, die weiter Unterstützung sucht und für die Wiederbelebung kämpft. Da sind viele Experten für Bau, für Kultur, für öffentliche Angelegenheiten, Bürgervereine…, die alle an einem Strang ziehen wollen. Der aktuelle Artikel im Stadtmagazin „Kreuzer“ (S.36) hat das mit dem fett gedruckten Zitat von Daniel Schade vom „Ost-Passage Theater“ gut auf den Punkt gebracht: „Viele Menschen, die gemeinsam atmen“

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IMAG0433Es gibt eine Webseite und eine Facebook-Seite, einen mail-Verteiler, etliche Presse-Artikel und Sendungen und alles was heute zur Öffentlichkeitsarbeit gehört. Die Gruppe trifft sich regelmäßig und bereitet weitere Schritte vor. Und ich bin dabei! Es bleibt spannend.

Dieser Radio-Beitrag vom MDR basiert auf Interviews vom Tag der IG-Gründung: