Archiv der Kategorie: Kultur

Fortschritte am Kino der Jugend

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Das Dach des alten „Kino der Jugend“ ist schon seit Weihnachten gedeckt. Dank an alle Beteiligten! Nun sind auch die weiteren Dacharbeiten abgeschlossen und der Innenraum wird beräumt. Gerade wirkt das alte Kino der Jugend sehr ruhig… Und wir arbeiten auch schon fleißig an Konzepten und Finanzierungsanträgen für die geplante Betreibung als neues Kulturzentrum im Leipziger Osten.

Bild könnte enthalten: Himmel und im Freien

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Im ganzen letzten Jahr haben wir Initiatoren viel geschafft:
Das Haus ist vor dem Verfall gerettet und es gibt einen Stadtratsbeschluß, der vorsieht, daß das Objekt nicht meistbietend verkauft wird, sondern im Konzeptvergabeverfahren ab 2018 ausschließlich für kulturelle Nutzung ausgeschrieben wird. Wir haben viel Lobby-arbeit geleistet, auf Stadtteilfesten, zu den Tagen der Industriekultur, zum Tag des offenen Denkmals und im Kontakt mit Politekern und Stadtverwaltung.
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So sah es z.B. in unserer Ausstellung zur Geschichte des Kinos in der alten Bäckerei schräg gegenüber dem Kino aus:
Zum traditionellen Neustädter Frühstück befragten wir Anwohner zu Ihrem Interesse am Wiederaufbau des Kinos und so sah unser Stand  aus:

 

 

Stand beim Parkbogenfest:

Die neue Kulturbürgermeisterin Skadi Jaenicke hat sich für unsere Arbeit und unsere Pläne auch schon interessiert:

Denk mal!

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IMG_4435._wjpgDiese Aufforderung an alle, die sich in festgesetzten Denkmustern und Überzeugungen eingerichtet haben, passt genau in diese Tage! Jeder muss sich immer mal fragen, ob alles noch so gültig ist, wie man es immer gedacht hat. Das hält fit und flexibel. Auch ich ertappe mich immer mal dabei, über ausgelatschte Denkwege zu schleichen und versuche dann einen Schritt zurückzugehen und die Sache mal aus einer anderen Perpektive zu sehen.

Dafür, auch mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen, auf den anderen bekannten odert fremden Menschen zuzugehen, mal durch ein anderes Loch zu gucken, den Nachbarn wahrzunehmen, dafür plädiert der Bildermacher Joachim R. Niggermeyer mit seinem Konzept für das Denk mal!, das am 28.September in der Georg-Schumann-Strasse/ Ecke Lützowstrasse mit Reden, Kaffe, Kuchen und lateinamerikanischer Musik feierlich eingeweiht wurde. Die beiden nebeneinander stehenden robusten, hölzernen Körper wurden in Zusammenarbeit mit der Kabarettistin und Tischlerin  Annemarie Schmidt entwickelt und aufgebaut.  Durch die verschiedenen Öffnungen ergeben sich immer neue Durch- und Einblicke. Das Denk mal! ist eine interessante Art Kunst im öffentlichen Raum. Es ist sehr frei für Interpretationen und Überlegungen. Möglicherweise wird es beklettert oder bemalt, aber auch diese Art der Annahme ist akzeptiert, wenn damit ein Denkvorgang verbunden ist. Im Rahmen der Interkulturellen Wochen erscheint diese Form des künstlerischen Angebots zur Interaktion an der Hauptstrasse Richtung Arbeitsamt und Schkeuditz gut aufgehoben.

Show Me Democracy!

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IMG_4320_wDies ist der Titel des Dokumentarfilms  von Filmemacher/Medienpädagoge Uwe Willman und Historiker/Medienpädagoge Daniel Heber (ein Schulfilmprojekt),  der am Abend des 29. September im FREIRAUM-Pavillion auf dem Leipziger Leuschnerplatz Premiere hatte. Hier fragen sich Jugendliche und Erwachsene, die mit Erziehung zu tun haben, wie man ein Volk zu Demokratie erziehen kann. Das dies mindestens in der Schule eine Rolle spielen muss, wird deutlich. Nur in einigen Schulfächern darüber zu sprechen, einen Klassensprecher zu wählen und die wichtigsten Strukturen eines Staatswesens zu kennen, reicht nicht aus. Demokratie und Mitbestimmung muss vorgelebt und überhaupt gelebt werden. Im Film zitieren die Jugendlichen aus dem Evangelischen Schulzentrum wichtige Sätze zur Mitbestimmung im alten Hellas. Erstaunlich ist dabei die Aktualität der Zitate der hellenischen Philosophen. Man darf nur nicht vergessen, gab die Pädagogin und langjährige Leiterin des Leipziger Schulmuseums Elke Urban zu bedenken,dass diese Demokratie auch nur für die freie männliche Bevölkerung galt. Frauen, Sklaven und standeslose Personen hatten keinen Zugeng. Da sind wir heute schon besser dran. Trotzdem lohnt es sich genauer hinzusehen, Wünsche und Forderungen zu formulieren, richtige Ansprechpartner und auch Mitstreiter zu finden. Nicht nur gegen etwas sein, sondern immer auch bessere Ideen anzubieten ist nötig, sich gegen Expertentum, Fortschrittsglauben und ausufernde Ökonomisierung zu stellen. Das das nicht leicht ist, wissen die meisten jungen Leute schon, aber sie begeben sich auf den Weg, stellen Fragen und geben auch Antworten.  Bildung in unserem Land hat ziemlich festgefahrene Strukturen, die von oben nach unten wirken und dem Endprodukt Facharbeiter und Wissenschaftlernachwuchs für die Industrie vieles unterordnen. Viele Lehrer und Erzieher geben sich große Mühe, ihre Schützlinge zu mündigen Menschen zu erziehen und unterliegen selbst dem ständigen Druck der Vorgaben. Wie man die Situation analysieren kann um bessere Wege zu finden, war Inhalt der nachfolgenden Filmdiskussion mit einigen Protagonisten, die in den Vorschlag des Reformpädagogen Otto Herz mündete, die Ideen zusammenzutragen, zu diskutieren, aufzuschreiben und nach dem Schulgesetz einzufordern und umzusetzen. Weitere Vorführungendes Films sind in Schulen geplant. Er eignet sich hervorragend als Denkanstoß.

Noch bis zum 11.10. gibt es Filme und Diskussionen zum Thema Demokratie auf dem Leuschnerplatz, Programminfos auf www.stiftung-fr.de (Das fr heißt freidliche Revolution)

Hier ist also der Film:

und hier die Fotos des Premieren-Abends:

Fortuna ist für das Kino der Jugend!

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Kino der Jugens Heute

Kino der Jugend heute

Es ist schon sehr erstaunlich, was in einigen Monaten passieren kann, nachdem einige Jahrzehnte gar nichts passiert ist! So ergeht es gerade dem alten Fortuna-Lichtspielhaus/ Kino der Jugend in der Eisenbahnstrasse im Leipziger Osten. Ende 2012 schrieb ich hier einen Artikel über mein altes Kino, in dem ich über meine Zeit als letzte Theaterleiterin und die aufregenden Konzerte nachdachte. Ich war traurig über den Zustand des einst stolzen Hauses, sah die zugemauerten Fenster und Türen, das offensichtlich verfallene Dach und die einsame Fortuna-Figur an der bröckelnden Art-Déco Front. Lange ist hier nichts mehr geschehen.

Daraufhin erhielt ich Anfragen von vielen interessierten Leuten und es entspann sich eine ganz neue und dynamische Geschichte:

Zuerst lernte ich Diana Wesser kennen und wurde Teil ihres Audio-.Walks durch den Leipziger Osten „Sehnsucht Eisenbahnstrasse“

Später kamen die Studentinnen Eva und Vera dazu. Für ihre Erweckung des alten Kinos „Wintergarten“, ebenfalls in der Eisenbahnstrasse im Rahmen des Kunstfestes konnte ich auch einige Fotos und Storys beistreuern.

Dann kam eine sehr erfreuliche Mail von einem meiner damaligen Filmclub-Jungs. Michael Creutzer ist heute Chef von Teil-Auto Leipzig und nahm sich Zeit für einige schöne Erinnerungen. Mir war gar nicht klar, wie wichtig für die Jungs damals das Kino und der Filmclub war und wie bedeutsam es für sie war, bei Veranstaltungen und Konzerten wichtige Funktionen auszufüllen. So fuhren sie mit dem Motorrad Filmrollen aus den Innenstadtkinos, um aktuelle Filme zeigen zu können, machten Einlassdienst, klebten Plakate, erledigten kleine Reparaturen und viele sonst anfallende Arbeiten. Sie hatten einen Treffpunkt und für das Kino waren sie wichtiger Kontakt in das Wohngebiet. Das tollste Erlebnis war wohl der Kuchen, den Tamara Danz von Silly ihnen geschenkt hat! Ich hab leider keine Erinnerung daran, aber freue mich natürlich, das nach so vielen Jahren zu hören! Demnächst soll es ein Treffen im erweiterten Kreis geben und ich freue mich wie Bolle und bin gepannt, was aus allen geworden ist.

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Danach fragte mich die Dokumentarfilmerin Kathrin Lemcke für ein Ausstellungsprojekt im Pöge-Haus nach meinen Erinnerungen an diese Zeit rund um die politische Wende. Das Video, einige alte Fotos und das Gästebuch des Kinos  wird Bestandteil der Ausstellung“ Alle unsere Träume-Friedliche Revolution und Transformation im Leipziger Osten“., die am 14. Oktober um 18,00 Uhr im Pöge-Haus a, Neustädetr Markt mit einer szenischen Lesung eröffnet wird.

Nun entwickelt sich der Leipziger Osten, der traditionell ein Arbeiterbezirk und in den letzten Jahren oft wegen Kriminalität und hohem Ausländeranteil in den Negativ-Bereich gerückt wurde, zu einem sehr spannenden und pulsierenden Stadtteil. Hier entstehen in Lücken und Brachen, leeren Objekten geheime und öffentliche Orte für Kunst und Kultur.  Viele junge Leute und Studenten ziehen in die Gegend und empfinden die Internationalität und Buntheit gerade als Vorteil neben den noch recht moderaten Mieten. Es ist in den nächsten Jahren mit weiterem Zuzug zu rechnen. Und da kommt wieder das Kino in den Blickpunkt! Es gibt keinen großen Kultur- und Veranstaltungsraum, kein Kino, keinen Saal, der multikulturell im besten Sinne genutzt werden kann. Und es gibt Gerüchte vom Abriss des Kinos.  Da versammeln sich wieder viele Interessenten, die das Haus erhalten, retten und zu einem wieder florierenden Kulturort machen wollen. Toll!

Von der Projektgruppe wurde ich gefragt, ob ich für ein Interview kommen könnte. Klar konnte ich! Hier der Beitrag von Leipzig Fernsehen vom 11.09.2015:

Zum Tag des offenen Denkmals  am13. September fand direkt vor dem Kino eine Aktion statt.

IMAG0337 IMAG0360 IMAG0362 IMAG0354Viele ältere Bewohner sprachen von ihren IMAG0345schönsten IMAG0342IMAG0349Jugenderinnerungen und erklärten ihr Interesse an der Erhaltung und Wiederbelebung. Unterschriften dafür wurden gesammelt.

Da sah ich zum ersten Mal aktuellere Fotos aus dem Inneren des Gebäudes und war schon schockiert über den Verfall!

Und trotzdem! Auch das Connewitzer Kino stanIMAG0346d mal auf der Abbruchliste und ist heute ein pulsierendes und beeindruckendes Kulturzentrum. Warum sollte das hier nicht gelingen?

Nun gründete sich im Pöge-Haus eine offizielle IG Fortuna/Kino der Jugend, die weiter Unterstützung sucht und für die Wiederbelebung kämpft. Da sind viele Experten für Bau, für Kultur, für öffentliche Angelegenheiten, Bürgervereine…, die alle an einem Strang ziehen wollen. Der aktuelle Artikel im Stadtmagazin „Kreuzer“ (S.36) hat das mit dem fett gedruckten Zitat von Daniel Schade vom „Ost-Passage Theater“ gut auf den Punkt gebracht: „Viele Menschen, die gemeinsam atmen“

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IMAG0433Es gibt eine Webseite und eine Facebook-Seite, einen mail-Verteiler, etliche Presse-Artikel und Sendungen und alles was heute zur Öffentlichkeitsarbeit gehört. Die Gruppe trifft sich regelmäßig und bereitet weitere Schritte vor. Und ich bin dabei! Es bleibt spannend.

Dieser Radio-Beitrag vom MDR basiert auf Interviews vom Tag der IG-Gründung:

Wilde Orte in Connewitz II-Kino

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IMG_2190_wNach dem Kirschgarten ging es ein paar Meter die Straße hinunter zum hinteren Eingang des alten Kinos UT (steht für Union-Theater) Connewitz. Dies ist das älteste original erhaltene und noch in Betrieb befindliche Leipziger Lichtspielhaus und in seiner jetzigen Form seit 1912 Ort für Filmvorführungen. Daher ist es nicht verwunderlich, daß wir hier eine wilde Baustelle vorfinden.

Ich erinnere mich an Filme aus meiner Kinderzeit, wie „Serengeti darf nicht sterben“ oder die tollen DEFA- Indianerfilme mit Goijko Mittich, wie “ Die Söhne der großen Bärin“ und „Cingangook, die große Schlange“, als wäre es gestern gewesen.

Später, so Mitte der achtziger Jahre hatte ich in diesem Haus meine ersten Tage als frisch gebackene Kinoleiterin in der „Bezirksfilmdirektion Leipzig“ unter den Fittichen des damaligen Kinoleiters zu absolvieren. Ich lernte, wie die Filmplanung, der Kartenverkauf, die Abrechnung, die Mitarbeiterplanung und die Werbung funktionierte, bevor ich mein eigenes Haus, das „Kino der Jugend“ im Leipziger Osten übernehmen durfte. In dieser Zeit fühlte sich alles ziemlich trist an.

Jetzt erstrahlt bald das altehrwürdige Kino im alten originalen Glanz. Der Verein, der das Haus quasi gerettet und  gekauft hat, hat in den letzten Jahren mit einem anspruchsvollem Filmprogramm, vielen Live- Musik-Veranstaltungen und politischen Aktivitäten eine tolle Arbeit geleistet und es jetzt sogar geschafft, Mittel für die denkmalgerechte Sanierung zu ergattern.

Am 13.September soll zum Tag des offenen Denkmals alles fertig sein. Am Vorabend wird mit einem Konzert wieder eröffnet. Das gesamte Programm, sowie mehr Informationen zur Geschichte des Hauses gibt es hier: www.utconnewitz.de

Der Filmvorführer und langjährige Kinomitarbeiter Ralph Nünthel hat zur Geschichte Leipziger Kinos viel Material zusammengetragen und veröffentlicht. Leider sind die Bücher vergriffen.

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Sommer-Flirts an der Ostsee

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IMG_1982_wAnfang August durfte ich meine Freundin Katrin Troendle, die Sachsendiva zu einem Gastspiel an die Ostsee begleiten. Gespielt wurde das Stück „Sommer-Flirts“ mit Johannes Kirchberg, das auch immer wieder auf anderen Bühnen und im Revuetheater am Palmengarten in Leipzig auf dem Programm steht. Spielort war das Sommertheater in Born auf dem Darß, welches früher mal die Dorfschule und heute eine sehr schöne Kunstgalerie, Vereinsräume und temporär eben das Sommeretheater beherbergt. Ich liebe diese Gegend so und war auch schon oft da, alleine, mit Familie oder Freunden. Wir fuhren einen Tag eher und konnten so noch einen herrlichen Kurzurlaub genießen, mit Unterkunft im Künstlerhaus der Kurverwaltung, herrlichem Sonnenuntergang in der Ostsee, baden, sonnen und Fischbrötchen essen am Hafen von Born oder an der Lieblings-Fischbude in Ahrenshoop. Die Vorstellung war gut organisiert, angekündigt und besucht und ein voller Erfolg, ich konnte mich mit etwas technischer Unterstützung (Lichttechnik) für die herrliche Zeit revanchieren. Gerne immer wieder!

East Side-Ursprung Ost

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IMG_1806._wjpgVor dem Leipziger Bach-Museum sieht man ja ganz häufig Gruppen von Touristen aus der ganzen Welt stehen. Die Leute, die sich gestern nachmittag versammelten, waren alle Leipziger, im weitesten Sinne, nämlich alteingesessene, freiwillig zugezogene und auch solche, die nicht ganz freiwillig hier leben, weil nämlich in ihren Herkunftsländern Krieg und Terror herrschen. Die, vor denen manche Leute so viel  Angst haben.

Hier wurde ab 16,00 Uhr das Projekt“ East Side-Ursprung-Ost II „ vorgestellt.

„Leipzig East Side – Ursprung Ost II bezeichnet ein Projekt, wo Jugendliche, besonders aus dem Leipziger Osten, ihrem Zeitgefühl und Antworten zur Gesellschaft, in der sie leben, durch Kunst Ausdruck geben können. Der Bezug zum Osten ist inhaltlich mit drei Aspekten angedacht: Leipziger Osten, Osten von Deutschland, Leipzig als Kreuzungspunkt vom Nahen Osten, Orient und Okzident.

Jugendliche aus dem Leipziger Osten, insbesondere mit Migrationshintergrund. kommen aus den unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Verhältnissen, haben oft Probleme mit der eigenen kulturellen Identität. Die Eisenbahnstraße geht durch dieses Viertel als große Tangente Richtung Osten. In dem Projekt hatten Jugendliche die Möglichkeit, sich mit ihrer eigenen Lebenssituation auseinanderzusetzen und diese auf vielfältige künstlerische Art zu zeigen.Neben gemalten Bildern, Graffiti und Schriftzügen entstanden über den medialen Bereich Film Interviews von Jugendlichen an ausgesuchten Orten in Leipzig zu Thema Heimat, Identität, Krieg und Frieden. Dieser Film bildete die Umrahmung zur szenischen Arbeit, die vor Ort erzählte und auf der Bühne gespielte Geschichten zeigt. Eigene Texte oder traditionelle Texte in anderer Sprache sind genauso wichtig, wie bekannte Songs oder Texte aus der Jugendszene. Als Gesamtdokumentation präsentieren die Jugendlichen zwei Auftritte als Theaterstück, wo der Zusammenhang zu den ausgestellten Bildern und Texten deutlich wird.“

So der Einladungstext der Projektleiterin Britta Schulze

Der wunderbar restaurierte barocke Sommersaal im Haus der Familie Bose war bis auf den letzten Platz gefüllt, weitere Stühle wurden herbeigetragen. Die Begrüßung der Dame des Hauses fiel sehr offen und warmherzig aus. Sie führte auch die wandelbare Decke vor, die sich auf Knopfdruck zur Musik-Empore öffnete und fand passende Worte zu der Verbindung zwischen der altehrwürdigen klassischen und Bachschen Musik zu den musikalischen Bereicherungen durch zugewanderte Musiker.

Britta Schulze, die Leipziger Malerin, Kunst-Dozentin, Performance-Künstlerin und Projektleiterin stellte ihre Arbeit mit Jugendlichen im offenen Freizeittreff „Rabet“ an der Eisenbahnstrasse vor. Auch in einem Beitrag von mir berichtet sie davon. Seit mittlerweile vier Jahren arbeitet sie in diesem Haus mit künstlerischen Mitteln und trägt somit dazu bei, den Jugenlichen aus völlig verschiedenen Herkunftsländern eine Möglichkeit der Verbindung mit ihrer Kultur und den neuen Lebensräumen zu schaffen. Zentrale Frage ist immer wieder der Bergriff Heimat,(Familie, Kultur, Sprache, Geborgenheit), die mit künstlerischen Mitteln leichter zugänglich sind als in der Alltagssprache. Auf diese Frage findet wohl jeder Mensch eine andere ganz individuelle Antwort.

Gezeigt wurden Fragmente aus einem Film von Felix Richter mit Interviews, die Britta Schulze mit verschiedenen Personen führte. So lernen wir ein junges Mädchen mit Kopftuch und sächsischem Dialekt kennen, die auf die Frage nach ihrem Geburtsort Zschopau angibt, danach lebte sie in Chemnitz und nun eben in Leipzig. Ihre Eltern sind Palästinenser aus Jerusalem. Sie liebt ihre Familie und ihre Freunde und hat Zukunftsvorstellungen, wie jedes andere Mädchen in ihrem Alter auch. Ein Biker, der nach Ehrenkodex lebt und vor Überfremdung Angst hat, kommt genauso zu Wort, wie andere Neuleipziger oder der behinderte Jugndliche aus dem Kietz, der nur ausländische Freunde hat, weil die ihn respektieren. Hier geht es nicht um ein glanzvolles filmisches Kunstwerk, sondern um eine Ausdrucksmöglichkeit von vielen und darum, im Gespräch zu bleiben und weitere Diskussionen anzuregen. Der komplette Film soll noch später aufgeführt werden. Arabische Musik wird von zwei jungen Leuten mit Laute, Trommel und mit feenhaftem Gesang zelebriert. An der Reaktion der jungen Männer neben mir merke ich, wie sie diese Klänge in weite Ferne treiben. Sie stehen auf, bewegen sich im Takt, singen leise mit und klatschen begeistert und gerührt. Sie verstehen die Texte offensichtlich und sind damit im Vorteil. Ich finde es einfach nur schön.

Dann stellt sich Halil vor, Student der Sprachwissenschaften, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt und aus der größten Syrischen Stadt stammt.(Aleppo denke ich). Er erzählt von seinen ersten Eindrücken und wie er zuerst dachte, in einem kleinen Dorf mit schlechten Straßen und wenig Menschen gelandet zu sein. Nun fühlt er sich hier wohl und ist für die Unterstützung seiner Heimat persönlich verantwortlich, nicht nur weil er selbst viele Familienmitglieder verloren hat. Er gründete den Verein Syrienhilfe und organisiert direkte Spendenlieferungen, die er selbst mit nach Syrien begleitet, damit sie wirklich ankommen. Den großen Organisationen schenkt er kein Vertrauen.

Zum Abschluß gab es noch sehr persöliche Texte von Jugendlichen und eine Diskussion. Die Eisenbahnstrasse ist angekommen im kulturellen Zentrum Leipzigs und zeigt, wie notwendig die Hinwendung zum Thema Heimat und zur viel besprochenen Willkommenskultur ist. Ein gelungenes Beispiel der Auseinandersetzung. Das Projekt wird fortgesetzt. Ich werde es gern begleiten und meinen Beitrag durch die Berichterstattung hier leisten.